Mein Weg zu gesunder Ernährung

Viele Menschen sind der Meinung, dass es einen speziellen Ernährungsweg für alle Menschen gibt. Eine Ernährungspyramide oder ähnliches, die uns vorgibt, was gut und gesund für den Menschen ist. Weil Mensch gleich Mensch ist. Ich erzähle dir heute von meinem persönlichen Weg zu gesunder Ernährung.

Die Vorgeschichte

In meiner Kindheit habe ich mir nie Gedanken über Ernährung gemacht. Ich habe gern gegessen und gern genascht, es gab häufig polnische (meist süße) Leckereien und regelmäßig Fleisch, aber ich wurde ständig „französisches Hündchen“ genannt, weil ich von einigen Gerichten nichts hören oder sehen wollte. Dazu zählten die meisten Gemüsesorten, Käse und Soßen. Fleisch musste Bratwurst, Salami, Schnitzel oder Hühnchen sein. Salat hab ich nicht angeguckt und bei Freunden bekam ich meist Nudeln mit Ketchup, oder Nutella-Brot, damit mein Bauch voll war. Früchte konnte ich essen, bis mir schlecht wurde. Als ich meine Heimat verließ und zum Studium in meine erste eigene Wohnung zog, veränderte sich meine Ernährung in Richtung Fastfood. Es war einfacher, günstiger und schneller. Und sonst gab es ja noch die Mensa.

Zur veganen Ernährung kam ich ungefähr 2007, als ich mit unzähligen körperlichen Beschwerden zu tun hatte. Mein Studium ließ mich stark ausbrennen und ich litt unter einem Bandscheibenvorfall, dem PCO-Syndrom (polyzystisches Ovarialsyndrom) und hatte eine extreme Schilddrüsenunterfunktion. Außerdem hatte ich unreine Haut, hatte Schwierigkeiten damit mein Normalgewicht zu halten und nahm einfach sehr schnell an Gewicht zu. Von den Launen und der Erschöpfung ganz zu schweigen. Nach dem Verzehr von Weizenmehl und Milch ging es mir besonders schlecht und ich musste ständig zur Toilette hechten. Wie soll man da noch ordentlich studieren? Die Schulmedizin hat mir dann die oben genannten Diagnosen gestellt, aber das war‘s. Medikamente und tschüss. Irgendwie schien mir das alles nicht richtig. Sollte ich jetzt mit Anfang 20 schon so krank sein und so viele Tabletten zu mir nehmen? 

Ich begann diverse Ratgeber zu lesen und probierte mit Hilfe meines Hausarztes eine Eliminierungsdiät, um zu wissen, was ich überhaupt noch richtig verdauen konnte. Am besten ging es mir tatsächlich mit Reis, aber natürlich reichte meinem Körper das nicht und ich bekam Heißhungerattacken.

Nach einiger Zeit lernte ich in Polen einen ayurvedischen Arzt und Guru kennen, der mich innerhalb weniger Tage extrem aufbauen konnte und mir nichts anderes riet als frische Säfte zu trinken und vier Gewürze zu mir zu nehmen. Jeden Morgen rührte ich eine Paste aus Kurkuma, Ingwer, Nelken und Zimt an. Innerhalb von wenigen Tagen bekam ich meine Periode wieder (die hatte ich 2,5 Jahre nicht) und hatte mehr Energie als die Jahre zuvor.

Der Anfang

Ich begann mich intensiv mit der ayurvedischen Küche zu befassen und verabschiedete mich sehr schnell von Fleisch. Plötzlich sah ich all das Leid und die Qualen, denen die Tiere ausgesetzt wurden und ziemlich schnell kam ich dann auch zu den gesundheitlichen Vorteilen einer fleischlosen Ernährung. Da in der ayurvedischen Kost auch keine Eier konsumiert werden und ich Milch noch immer nicht vertragen konnte wurde ich vegan. Viele Jahre lang. Streng und konsequent. Für mein Umfeld war das relativ schwierig, aber auch für mich war das nicht einfach, da ich ja quasi von heute auf morgen sehr viele Nahrungsmittel ersetzen musste. Und glaubt mir, 2007 gab es kaum vegane Nahrungsmittel in den Supermarktregalen. Tofu und Sojamilch waren schnell gefunden, aber der Rest kam erst mit der Popularität des Veganismus in die Regale. 

Mit meiner Reise nach Indien 2010/2011 lernte ich die ayurvedische Kochkunst und brauchte dann auch keine Ersatzmittel mehr, da ich versuchte nur zu essen, was die Natur gerade hergab. In Indien gibt es allerdings ganzjährig relativ viel Gemüse und tolle Obstsorten.

Der Alltag

Zurück in der Uni fiel mir das Thema Ernährung wieder etwas schwerer, da ich jeden Tag vorkochen musste, um vor 7 das Haus zu verlassen. Selten kam ich vor 21 Uhr zurück, einige Male in der Woche arbeitete ich sogar nachts und so kam ich relativ selten dazu einzukaufen. Schnell mal mit den Studenten etwas essen oder snacken war relativ schwierig, oder aber einfach zu teuer, da ich versuchte so viel wie möglich im Bioladen zu kaufen. Aber irgendwie hat es funktioniert. Ich war schlank, sehr fit, absolut gesund und wurde bald sogar schwanger.

 

Sibirien

Während meiner ersten Schwangerschaft verbrachte ich den Sommer in Sibirien, der Heimat meins Freundes. Das Leben dort war mir nicht unbekannt, ich fühlte mich einfach nur um Jahre zurückversetzt. Und die Menschen konnten ÜBERHAUPT NICHTS mit meinem Entschluss anfangen weder Fleisch noch Milch zu essen. Ich war eine absolute Exotin und wurde täglich belächelt. Ich dachte ich könnte die Welt „veganisieren“ und erwischte mich beim Kauf absolut unnötiger und ungesunder Lebensmittel im Supermarkt. Dabei kommen die Menschen dort super ohne Supermarkt aus. Es gab im Sommer hauptsächlich frische Beeren und alles an Gemüse, was der kleine Garten so hergab. Lauchzwiebeln und Salat, die ersten Tomaten und so weiter. All dies wurde dann irgendwie in Teig gehüllt und gebraten oder gekocht, aber meist fanden sich im Teig dann Eier, Sahne oder Milch und Suppen gab es sowieso nur auf Fleischbasis. Nach einer Weile wurde das alles sehr anstrengend und ich versuchte mich auf dieses neue, alte Leben einzulassen. 

Als ich dann anfing beim Melken der Kühe helfen und eigene Sahne und Butter herstellte, wollte ich wenigstens den Unterschied probieren und der war gigantisch. Wie lecker diese Butter war kann ich gar nicht beschreiben. Die günstige Heilwirkung von Butter bzw. Ghee kannte ich bereits aus dem Ayurveda und da ich sah wie liebevoll mit den beiden Kühen umgegangen wurde und wie sie den ganzen Tag auf der Wiese standen begann ich die Milchprodukte dieser Kühe zu essen. Wenn man so aufwächst und nichts anderes gewohnt ist, ist es schwer zu erkennen, in welchem Umfang wir im Westen unsere Nutztiere ausbeuten und quälen. Das Bild der heilen Welt hat man dort gesehen und gelebt und Massentierhaltung findet hinter verschlossenen Türen statt und kaum jemand hat das mal wirklich gesehen, gerochen oder gefühlt. Ich habe also nicht nur für mich selbst eine Entscheidung getroffen, sondern auch verstanden, wie andere Menschen über diese Thematik denken und fühlen. Es ist nicht einfach andere Menschen von etwas zu überzeugen. Auch wenn es richtig ist. Man müssen es spüren oder sehen und erfahren um es zu verstehen. 

Vegan mit Butter

Das nächste Jahr verbrachte ich quasi vegan mit Butter. Auch in Deutschland konnte ich frische Butter vom Bauern organisieren, oder im Bioladen erwerben und es ging mir gut mit meiner Entscheidung. Mit dem Stillen jedoch verlor ich extrem an Kraft. Einige Male landete ich im Krankenhaus, weil ich einfach keine Kraft mehr hatte und mich ausgelaugt fühlte. Irgendwie kam ich dann über diverse Foren im Internet auf die roh vegane Ernährung und erhoffte mir Superkräfte.

Rohvegane Kost

Für ein ganzes Jahr stellte ich unsere Ernährung erneut um. Rohvegan sollte es sein. Lebendige Nahrung weckt bekanntlich Lebensenergie und so bekam mein Kleinkind irgendwann Smoothies aus der Flasche und ich lernte wo und wann ich Wildgrün sammeln konnte. Daraus machte ich Salate und Säfte. Es ging mir ein wenig besser, aber meine Kraft kam nie gänzlich zurück. Ich sah frisch aus, aber meine sportliche Leistung ging gegen Null. Und meine Tochter war ständig krank. Eine Blasenentzündung jagte eine Mittelohrentzündung und wieder zurück und ich wusste einfach nicht mehr weiter.

Mischkost

Meine Tochter kannte gekochte Nahrung kaum, forderte aber ständig danach und so folgte eine Phase der scheinbar ziellosen Ernährungsfindung. Eigentlich verrückt, da ich all die Antworten aus dem Ayurveda schon kannte. Aber die Geburt meiner Tochter, die ein Trauma in mir hinterließ, weil sie das Gegenteil von dem war, wie ich mir Geburt vorgestellt hatte, katapultierte mich in ein schreckliches Ungleichgewicht. Ich hatte weder Vertrauen in meine Intuition, noch in sonst irgendwas, das mit mir zu tun hatte. Ich fühlte mich allein und unsicher. Da ich so unglaublich verwirrt war durch meine Ernährungsexperimente und mein Körper mir anscheinend versuchte zu sagen was er wollte, ich aber nichts davon verstand, entschied ich mich mein Kind zu beobachten. 

Ich erinnerte mich an meine Zeit in Sibirien und Indien und suchte die Antworten wieder in mir und nicht außerhalb. Ich war so überfordert mit der Fülle an Informationen über Ernährung, dass ich erst einmal alle Informationen von außen blockierte. Ich besann mich auf mich und meine Tochter. Mit der Zeit wurde es immer besser und ich begann systematisch alles zu hinterfragen und zu überprüfen. Welche „Diäten“ oder Ernährungsformen machten Sinn und warum? Was passierte im Körper? Biologisch, medizinisch und ayurvedisch. Der Kreis hatte sich geschlossen und plötzlich schien mir alles unglaublich logisch. 

Back to the roots

Als erstes ging ich zum Markt und schaute, was es dort überhaupt gab. Die Natur gibt uns alles was wir brauchen, da war ich mir sicher. Ich suchte und fand Wege wie man an „gute“ tierische Produkte gelangt. Aus Biohöfen, ohne Antibiotika, guter Haltung und so weiter. Wir begannen mit einer ausgiebigen Fasten- und Reinigungskur und versuchten unserem Körper wieder zuzuhören. Wie viel Nahrung braucht er, was genau braucht er und so weiter. Ich habe mit Selbstversuchen meinen Körper an seine Grenzen und darüber hinaus gebracht und gelernt ihm wieder zuzuhören. Und tatsächlich verlangt der Körper meist genau das was die Natur uns gibt. 

Je länger ich versuchte auf mein Hungergefühl zu hören, desto schneller fiel mir auf, dass ich ziemlich genau das tat, was im Ayurveda empfohlen wurde. Endlich kapierte ich was mir mein Arzt und Guru versucht hat in Indien beizubringen. In dieser Zeit intensivierte ich mein Wissen über Ayurveda und Ernährung allgemein. Ich hatte wieder genug Kraft um all das Wissen aufzusaugen und zu sortieren. Mein Körper fand endlich wieder zurück in seine Mitte und ich fühlte mich fit genug für eine erneute Schwangerschaft, die ohne Beschwerden verlief und mich intuitiv hierher führte. 

Der Weg der Mitte

Ich habe in all den Jahren jede Diät mitgemacht, die es gibt. Ich habe jeden Trend ausprobiert und ihn so lang wie möglich durchgehalten. Wirklich alles. Und nicht, weil ich davon überzeugt war. Sondern, weil ich gern verstehe was passiert und warum. Was passiert mit dem Körper? Was passiert mit dem Geist und den Gedanken? Das alles hängt zusammen und Ernährung ist eigentlich so elementar und einfach und trotzdem drehen sich die meisten Gedanken der Menschen mittlerweile genau darum. Was kann ich noch essen? Was tut mir und meinem Körper gut? Was sollen meine Kinder essen? Was soll ich morgen kochen? Kann ich noch im Supermarkt einkaufen? Und immer so weiter. 

Egal, aus welcher „Diät“ du gerade kommst, ich verstehe was du mit deinem Körper durchgemacht hast. Und es ist vergleichsweise einfach wieder zurück in diese simple und intuitiv richtige Ernährung zurück zu finden. Befreie auch du deine Gedanken von diesem ständigen Kreisen rund ums Essen. Es gibt auch keine Verbote in der Ernährung! Das ist ganz oft am schwierigsten zu verstehen.

Wie sieht dein Weg aus?

Heute möchte ich all die Erfahrung aus den Jahren und mein Studium nutzen um dir zu helfen, das selbe für dich und deine Familie zu erreichen. Unsere Nahrung hält uns gesund und kann uns genauso gut auch krank machen. Es bringt nichts, auf andere Menschen zu schielen und neidisch zu werden, weil die alles Mögliche essen und trotzdem schlank sind. Darum geht es nicht. Es geht darum, dass DU verdauen kannst, was DU isst. Was für dich und deinen Körper richtig und wichtig ist. Und es ist gut möglich, dass dein eigenes Kind komplett anders verdaut als du. Und auch das lässt sich schnell herausfinden. Völlegefühl, Unverträglichkeiten, Trägheit oder Müdigkeit nach dem Essen, sollten der Vergangenheit angehören. Und jemand, der sich gut um sich und seinen Körper kümmert und versteht was ihm gut tut, ist das perfekte Vorbild für seine Kinder.

 

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