Erkältung im Frühling

Die Sonne lässt sich endlich blicken und man möchte nach draußen stürmen und die dicke Winterjacke endlich vergessen. Doch kaum stürmt man ins Freie, wird man häufig schon wieder mit laufender Nase ins Bett gezwungen. Was du für dich und deine Kinder tun kannst erfährst du im folgenden Text.

Was ist eigentlich eine Erkältung und wodurch wird sie ausgelöst?

Erkältung, grippaler Infekt, Verkühlung, Infektionserkrankung der Schleimhaut, common cold… Es gibt viele Bezeichnungen für eine laufende Nase. In den meisten Sprachen schwingt aber das Wort „kalt“ mit. Hat eine Erkältung etwa mit Kälte zu tun? Kennt ihr noch die Weisheiten von Oma? Immer schön warm anziehen, Füße warm halten, bloß keine Zugluft abbekommen, sonst erkältest du dich… Irgendwas scheint doch dran zu sein, wenn man bedenkt, dass es in den kalten Jahreszeit viel häufiger zu Erkältungen bzw. Atemwegserkrankungen kommt. Was sagt denn die Studienlage dazu?

Zu den ersten Symptomen einer Erkältung gehört tatsächlich oft das Frösteln. In kühlen Jahreszeiten muss man auch die Bedingungen berücksichtigen. Ausgetrocknete Schleimhäute, Vitamin D-Mangel, mehr Menschen in schlecht belüfteten Räumen usw. All diese Faktoren begünstigen Erkältungen, weil das Immunsystem geschwächt wird, oder sich die Umstände für die Ausbreitung und Vermehrung von Viren verbessern.

Viele Erkältungen hängen also mit viralen Infekten zusammen. Kleine Viren finden einen Weg in unseren Körper, oder sind schon längst dort und haben plötzlich die optimale Bedingung um sich zu vermehren. Und hier kann „Kälte“ eben ein Auslöser sein.

Die meisten dieser Viren (dazu gehören z. B. Rhino-, Entero-, Corona- und Mastadenoviren) vermehren sich bei kälteren Temperaturen schneller. Und plötzlich kommt das Immunsystem nicht mehr mit und muss aufrüsten. Dieses „Aufrüsten“ dauert meist 1-3 Tage. Dann sind genug Immunzellen produziert worden um es mit den Viren aufnehmen zu können. Nach 1-2 Wochen ist man dann wieder komplett fit. Im Idealfall. Der Körper versucht mit allen Mitteln die befallenen oder bereits toten Zellen loszuwerden, zum Beispiel mit Schnupfen. In anderen Fällen kommt es zu Husten, oder beidem. Je nachdem welcher Virus sich breit macht und welche Zellen dieser bevorzugt.

Eine Behauptung, die seit Jahrhunderten verbreitet wird sollte äußerst gut studiert worden sein, sollte man meinen. Leider nicht. In einer der wenigen Studien wurde versucht die „Kälte“ nachzuempfinden, indem man eine Gruppe von Menschen gebeten hat, ihre nackten Füße 20 Minuten lang in einen Eimer mit 10°C kaltem Wasser zu halten. 10% der Probanden haben sich danach tatsächlich „erkältet“. Ob das Design der Studie das allerbeste ist, darüber lässt sich vielleicht streiten (1). Einer der Autoren dieser Studie geht dem ganzen noch etwas näher auf den Grund. Auch hier sieht er Zusammenhänge zwischen der kalten Luft, die eingeatmet wird und Erkältungskrankheiten (2)

Warum die Studienlage so dünn ist kann ich nicht genau sagen. Ich gehe davon aus, dass man mit dieser Theorie einfach zu wenig Geld verdienen kann. Denn wie schafft man Abhilfe? Mit Medikamenten erstmal nicht. Eine dicke Jacke, Mütze, Schal und warme Schuhe oder dicke Wollsocken würden ja schon helfen. Und da gibt es erstaunlicherweise eine Studie aus Yakutsk in Ostsibirien. Eine Erkältung führt bei diesen eisigen Temperaturen dort viel schneller zum Tod, aber die Menschen erkälten sich nur sehr selten. Woran mag das liegen?

Da mein Mann aus Sibirien stammt, kann ich das durchaus bestätigen, denn die Menschen wissen um die Gefahr der Kälte. Unter -20°C wird sich sehr warm angezogen und man vermeidet die kalte Luft, wenn möglich (3). Die Innenräume werden stark beheizt und je kälter es wird, desto häufiger wird pelzige Kleidung getragen. Das führt dazu, dass es keinen besonderen Unterschied gibt zwischen Erkältungen im Winter und Sommer. Und Temperaturen schwanken zwischen 30°C und -50°C. Ob es Studien gibt, oder nicht, interessiert dort niemanden. Man „weiß“ um die Gefahr der Kälte.

Warum kommt es im Frühjahr gehäuft zu Erkältungssymptomen?

Das Frühjahr ist mit seinen Temperaturschwankungen sehr tückisch. Es kann schon sehr warm und sonnig sein, die Jacken werden geöffnet, die Mützen zuhause gelassen und kaum verschwindet die Sonne hinter der Wolken ist es plötzlich doch noch eiskalt. Meine Oma hat immer gesagt, im Herbst sollte man so lang wie möglich ohne Jacke aus dem Haus und im Frühjahr so lang wie möglich in Winterjacke und Mütze. Im Herbst trägt man die Hitze des Sommers nämlich noch mit sich und im Frühjahr nutzt die Kälte jeden Moment der Unachtsamkeit.

Es ist auch belegt, dass es bestimmte Viren in den Wintermonaten gibt, da sie sich leichter ausbreiten können, die aber in den Sommermonaten verschwinden und umgekehrt.

Ayurvedische Heilmethoden

Der Ayurveda geht nicht davon aus, dass Viren und Bakterien nicht existieren, aber das gesamte System ist ganzheitlicher ausgelegt. In der ayurvedischen Theorie sind Erkältungen demnach Teil einer Kapha-Störung. Der Körper baut ein Übermaß an kühlen und feuchten Kapha-Qualitäten auf, was hauptsächlich zu Verschleimungen und einer laufenden Nase führt. Dadurch wird aber auch das Verdauungsfeuer geschwächt.

Im Frühjahr geht man auch davon aus, dass sich über den Winter sehr viele Kapha Eigenschaften angesammelt haben, die jetzt verflüssigt werden. Die Sonne und ihre Wärme führt demnach dazu, dass der „Schnee“ schmilzt und sich verflüssigt. Diese Flüssigkeit muss abtransportiert werden. Unterstützend wird daher zu Fasten- oder Entlastungstagen geraten. Nicht umsonst liegt auch die Fastenzeit der Christen in dieser Zeit.

Was hilft jetzt gegen Erkältung?

Idealerweise sollte das eigene Immunsystem selbst zurechtkommen und sich nach wenigen Tagen helfen. Aber man kann durchaus unterstützen. Das beste Heilmittel gegen Erkältungen im Ayurveda ist Ingwer. Ingwer erwärmt und ist leicht scharf. Beides wirkt Kapha entgegen. Außerdem regt er die geschwächte Verdauung an. Den Ingwer kann man fast allen Gerichten zugeben, oder pur als Tee genießen. Ingwer mit Zimt und Kardamom etwa 10 Minuten ziehen lassen und mehrmals täglich trinken. Wenn der Tee abgekühlt ist kann man auch Honig zugeben.

Weitere Heilmittel

Honig

Honig ist im Ayurveda ein komplexes Heilmittel. Es regt das Verdauungsfeuer an, senkt Kapha, reduziert Fettgewebe und wirkt als Verstärker für diverse Heilmittel. Bei Halsschmerzen einfach einen Löffel Honig in den Mund schieben und sonst mehrmals täglich in warmes (nicht heißes!!) Wasser geben und trinken. Achte auf gute Qualität und ziehe regionale Produkte vor.

Warmes Wasser

Heißes oder warmes Wasser sollte mehrmals täglich getrunken werden. Es beschleunigt die Genesung und hilft Giftstoffe aus dem Körper zu transportieren. Du kannst morgens einen großen Topf mit Wasser aufsetzen und ca. 15 Minuten köcheln lassen. Das Wasser kannst du dann in Tassen oder eine Thermoskanne abfüllen.

Vitamin C

Vitamin C kann den Heilungsprozess nachweislich beschleunigen  (4).

Seit 70 Jahren wird über die Wirkung von Vitamin C diskutiert. Es gibt unzählige Studien, die beweisen, dass hochdosiertes Vitamin C auch helfen kann, Erkältungen schneller zu bewältigen. Es gibt genauso viele Studien, die das Gegenteil beweisen. Es ist wohl schwieriger Erkältungen mit Vitamin C vorzubeugen. Im Ayurveda wird es trotzdem empfohlen.

Vorsicht bei der Dosierung. Zu viel Vitamin C kann zu Durchfall führen.

Natürliche Nasentropfen

Damit die Schleimhäute nicht so schnell gereizt und ausgetrocknet werden, empfiehlt es sich ein wenig Ghee in jede Nasenöffnung zu geben.

Ansteigendes Fußbad

Ein ansteigendes Fußbad kann so viel bewirken. Ich musste mich erst selbst davon überzeugen und mittlerweile gehört es im Winter zu meiner täglichen Routine. Fülle eine Schüssel mit heiß-warmem Wasser und stelle deinen heißen Wasserkocher bereit. Die Füße ins heiße Wasser halten und sobald du merkst, dass die Temperatur abkühlt, gibst du etwas heißes Wasser aus dem Wasserkocher dazu. Wenn dir und deinen Füßen ordentlich warm ist, schlüpfe in deine Wollsocken oder lege dich ins Bett unter die warme Decke.

Kapha mit Schärfe vertreiben

Ingwer kennen wir ja schon, aber es gibt auch andere scharfe Nahrungsmittel. Dazu gehören z.B. Zimt, Pippali (langer Pfeffer), schwarzer Pfeffer, Knoblauch, rohe Zwiebel, Meerrettich usw. Für Kinder kann man beispielsweise ganz leicht einen Sirup zubereiten. Rohe Zwiebeln klein hacken und Honig oder alternativ Zucker zugeben, in ein Schraubglas füllen und schütteln. Nach ein paar Stunden kann man den entstandenen Sirup löffelweise verabreichen. Etwas schärfer und effektiver wird das Ganze mit Meerrettich. Dafür den Meerrettich reiben und mit Honig vermengen, in ein Schraubglas geben und warten. Sehr scharf aber sehr effektiv.

Babys und Erkältung

Bei Babys ist es schwierig Empfehlungen zu geben. Du kennst dein Baby am besten und weißt wann du zum Arzt gehen solltest. Schnupfen kann häufig mit dem Zahnen zusammenhängen und verschwindet von ganz allein. Wenn du stillst kannst du etwas Muttermilch in die Nase des Babys träufeln. Bei Husten kannst du Senföl erwärmen und etwas Salz hinzugeben. Wenn das Öl lauwarm ist kannst du die Brust des Babys damit einreiben, damit sich der Schleim schneller löst. Halte dein Baby schön warm im Winter.

Nase spülen und gurgeln mit Salz

Neben Viren machen sich auch schnell Bakterien in den Atemwegen breit. Daher hilft Salz manchmal sehr schnell und effektiv. Mit einer Nasendusche und Salz lassen sich Verschleimungen sehr gut lösen. Es gibt spezielle Nasenduschen für Kinder und mit ein bisschen Übung klappt das sehr gut. Am besten in der Wanne mal testen. Mit Salz gurgeln kann beim ersten Halskratzen bereits wahre Wunder bewirken.

Weitere Tipps

Meide Milchprodukte. Milchprodukte steigern die Eigenschaften von Kapha und können zu weiterer Verschleimung fühlen. Insbesondere kalte Milchprodukte.

Keine Anstrengung. Schwere körperliche Aktivitäten und Fitness sollten auf ein Minimum reduziert werden. Bewegung ist aber auch sehr hilfreich. Spaziergänge oder leichte Yoga-Übungen können genügen.

Achte auf deine Atmung. Wechselatmung oder Feueratmung kann helfen den Schleim aus dem Atemsystem zu befördern. Bei der Feueratmung atmet man normal ein, jedoch sehr kräftig aus. Schaue dir vorher ein Video dazu an um Fehler zu vermeiden.

Ernährung

Wähle bei der Ernährung leicht verdauliche und warme Speisen. Meide Weizenmehl, Zucker, Milchprodukte und Rohkost wenn möglich. Überlaste deine Verdauung nicht mit rotem Fleisch und wähle kleine Portionen.

Prävention

Prävention ist die beste Maßnahme. Achte darauf, immer warm angezogen zu sein. Schal und Mütze lassen sich in die kleinste Tasche stopfen. Im Zweifel, immer die dickeren Socken oder Schuhe wählen. Der Sommer kommt früh genug. Achte auf warme Mahlzeiten und warme Getränke, meide Zugluft und kalten Wind. Lüfte deine Räume regelmäßig und achte auf kleine Veränderungen deines Körpers um schnell genug entgegen steuern zu können.

Iss regional und saisonal, so vermeidest du auskühlende Speisen ganz automatisch. Du kannst auch regelmäßig ½ TL Triphala-Pulver in einem Glas warmen Wasser vermischen und vor dem Schlafen zu dir nehmen.

Zusammenfassung

Wie du siehst gibt es nicht DAS wahre Heilmittel. Höre auf deinen Körper oder die Bedürfnisse deines Kindes und sorge für eine ruhige und stressfreie Umgebung. Die Liebe, Fürsorge und Wärme der Mama oder des Papas mit einer guten Suppe reicht manchmal schon aus. Ansonsten hast du hier einige Hausmittel, die du ausprobieren kannst. Eine Erkältung sollte nach wenigen Tagen von allein verschwinden. Tut sie das nicht, oder hast du ein mulmiges Gefühl oder weitere Symptome, dann suche bitte deinen Haus- oder Kinderarzt auf, damit er sich das anschauen und anhören kann.

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